Des Pfarrers neue Kleider
Eine Kulturgeschichte der liturgischen Gewänder aus St. Martini in Braunschweig
Im Jahr 1836 wurden in der am Braunschweiger Altstadtmarkt gelegenen Pfarrkirche St. Martini unter begeisterter Anteilnahme der Bevölkerung 30 spätmittelalterliche Messgewänder in einem vermauerten Schrank der Sakristei aufgefunden. Heute ist davon nicht viel verblieben. Die Gewänder stehen teils schweigend in Museumsvitrinen, teils lagern sie im Depot des Herzog Anton Ulrich-Museums. Sie verfügen jedoch über ein bisher nicht erforschtes Potenzial, denn sie ermöglichen einen direkten Zugang zum Kontext, in dem sie einst verwendet wurden: dem pulsierenden Leben in und um die Braunschweiger St. Martinikirche.
Ausgehend von den erhaltenen liturgischen Gewändern sowie umfangreichen spätmittelalterlichen Quellen wird der Zusammenhang, in dem die Kleidung einst stand, in drei Teilen nachgezeichnet. Der erste und zugleich Hauptteil versetzt die Gewänder mithilfe einer quellenbasierten, teils fiktiven Erzählung in ihren einstigen kulturhistorischen Kontext. Die Erzählung entwickelt sich dabei eng gekoppelt an drei Gruppen historischer Akteur:innen, die unmittelbar mit der Kleidung in Verbindung standen: die Stifter:innen, die die diese ermöglichten, die Handwerker:innen, die sie anfertigten und die Kleriker:innen, die sie trugen. Der zweite Teil legt aus unterschiedlichen Perspektiven und auf pragmatische Weise die Objektgeschichten der erhaltenen Kaseln dar, die einst von den drei wichtigsten Familien des Hauptteils gestiftet wurden. Der dritte Teil beleuchtet hingegen den nachreformatorischen Umgang mit den Gewändern aus St. Martini und zeigt auf, wie diese ihren Weg in das Museum fanden.
Erschienen bei Klinkhardt & Biermann (Edition Imorde)
Moritz aus Buxtehude
Der Kleidernachlass des Herzog Moritz von Sachsen-Lauenburg (1551–1612)
Herzog Moritz aus Sachsen-Lauenburg führte in Buxtehude ein skandalträchtiges Leben zwischen amourösen Dreiecksbeziehungen und politischen Verwerfungen. Sein textiles Erbe wird heute im Historischen Museum Hannover und Museum August Kestner bewahrt. Das Buch „Moritz aus Buxtehude“ stellt den Kleidernachlass nun erstmalig in seiner Gesamtheit vor und bereitet dazu die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojektes zu den Objekten und ihren ursprünglichen Kontexten sowie zur mitunter skurrilen Lebensgeschichte des Herzog Moritz auf. Dabei werden die Kleidung und der Alltag, der sie einst umgab, allgemeinverständlich und lebendig vermittelt. Aufgrund des umfangreichen Quellenmaterials lassen sich das Leben des Herzogs, sein Handeln, seine Probleme und Lösungsstrategien sehr gut nachzeichnen, dabei werden immer wieder Bezüge zu den Kleidungsstücken hergestellt.
Ein neuer Blick auf die Alltagskultur des 16. Jahrhunderts und deren Erforschung.
Ein einzigartiger textiler Schatz wird umfassend aufgearbeitet und vorgestellt.
Das Leben des Herzog Moritz und seine Garderobe eröffnen ungewohnte Einblicke in die Lebenswelt der Zeit.
Mit Beiträgen von: Maya Brockhaus (Hrsg.), Andreas Fahl, Fiona F. Fugensi, Jan Willem Huntebrinker (Hrsg.), Christian Kammann und Jannik Prüser.